Sagenhafter Barnim

Bruderstreit am Parsteiner See

Bruderstreit am Parsteiner See. Zeichnung: Petra Elsner

Bruderstreit am Parsteiner See.
Zeichnung: Petra Elsner

Die zwei Brüder mit den großen Hitzköpfen gerieten oft in eine handfeste Rangelei, die viel Staub an den Ufern des Parsteiner Sees aufwirbelte. Aber der legte sich wieder, und die Zwei hielten einen dünnen Frieden zwischen sich. Doch eines Tages verlor der gänzlich seinen Halt. Im Morgengrauen gingen sie auf Fischfang. Noch verschlafen stiegen sie in ihren Kahn und dümpelten still bei ihren Netzen auf dem klaren, großen See. Nichts trübte diesen frischen Tag. Im Gegenteil. Die erste, helle Morgenstunde überraschte sie mit großem Fangglück: Ins Netz war ihnen ein mächtiger Krebs gegangen. Statt sich zu freuen und den Fang zu teilen, beanspruchte ein jeder das prächtige Tier für sich. Zurück an Land gerieten die Zwei darüber in Streit, der heftige Wutwellen anfachte. Eine wüste Schlägerei entbrannte. Und während sich die jungen Männer im Staub wälzten, steigerte sich ihre Feindseligkeit Hieb um Hieb zu nacktem, ungebremsten Hass. Die wild gewordenen Brüder erschlugen sich schließlich gegenseitig, während der Krebs unbemerkt ihrer Gier entkam. Selbst im Tode konnten die Brüder keine Ruhe finden. Dafür gibt es ein sichtbares Zeichen: Bis in unsere Zeit finden sich die Hitzköpfe an den nächtlichen Seeufern ein, um auf Krebsfang zu gehen. Wenn sie erscheinen, kündigen sie sich mit zwei Feuerzeichen an, die am Nachthimmel aufflammen. Eines bei Parstein, das andere bei Brodowin. Die Fischer munkeln seither, diese Feuerzeichen seien die Brüder selbst, die sich über den Tod hinaus hassen und bekämpfen. Die Geisterfischer streiten ununterbrochen um diesen roten Krebs. Das leuchtende Rot des Feuers soll sein greller Widerschein sein.
(Nach Sagen aus Brandenburg: Sammlung von Peter K. Stumpf, aufgefrischt und erweitert von Petra Elsner)

Das war meine zehnte Sagenbearbeitung seit September. Ich stelle nicht alle Teile ein. Ausgangspunkt für diese modernere Variante waren diese Zeilen:
„Vor langer Zeit lebten zwei Brüder, die im Parsteinsee einen Krebs gefangen hatten, den jeder von ihnen haben wollte. Da keiner nachgab, kam es zum Kampfe, wobei sie sich gegenseitig erschlugen. Seitdem sieht man zuweilen zu beiden Seiten des Sees ein Feue r, wie man es beim Krebsen anzündet. Das rührt von den feindlichen Brüdern her, die keine Ruhe im Grabe gefunden haben, und noch immer am Ufer des Sees krebsen.“

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