Im Schilderwald (der Mark)

Deutschlands Schilderwald blüht am besten auf Asphalt, doch natürlich auch im märkischen Wald. Aber dort, wo so klangvolle Namen wie zur „Silberkehle“, „Wolfsschlucht“, „Drachenkehle“ oder „Poetensteig“ die Wegweiser zieren, ereignet sich regelmäßig Schwund, denn Sammler gibt es wohl für alles und jedes. So kommt es, dass in Buckow die Orientierungshilfen für Touristen reglmäßig „aufgefüllt“ werden müssen. Schilderklau war wohl schon immer ein reizvolles Ding und lohnte sich gewiss vorzeiten, als Wilhelm von Oppen noch die Güter Bollersdorf und Pritzhagen besaß, umso mehr. Anders als erboste Jäger und Forstmänner, stellte jener gegen das Grölen und Freveln der Sonntagsfrischler nicht böse drohende Warntafeln auf, sondern lustige Bedenksprüche. Hier einige Kostproben*:

„Betrachte diesen wüsten Ort:
Hier warf ein Mensch ein Streichholz fort
Und ward durch dessen Funken
Fahrlässig zum Halunken.“

Oder diesen netten:

„Wem das Großstadtleben die Nerven zernagt,
Wen Kummer und schlechte Laune plagt,
Der sucht hier Ruhe! Der haßt das Gebrüll!
Drum haltet die Schnauzen und wandert still!“

Letztere Tafel wurde seinerzeit nicht geklaut, aber das Wort „Schnauzen“ wurde ausradiert und überschrieben mit „Berliner haben keine Schnauzen!“.
Nun denn, aber laut sind sie – womit auch immer. Von Oppen kommentierte diese anonyme Gästemeinung mit einer zweiten Tafel:

„Wer hier das Wort „Schnauzen“ hat ausradiert,
Der hat ein törichtes Stück vollführt;
Daß die Schnauze das Größte im Berliner Gesicht,
Weiß die Welt und nur der Radierer nicht!“

Da der Mensch auch noch heutzutage zuweilen eine Mahnung braucht, damit er sich mitmenschlich verträgt, scheint mir für alle Neuschöpfungen der humorige Grundton von Oppens anregend zu sein. Allerdings werden jene modernen Schilderwerke auch wieder spezielle Sammelleidenschaften reizen…      (pe)         

(* Aus: Hanns Bornemann „Gestalten und Gespenster in der Mark“)

Drei Wege liefen auf einen Kreuzpunkt in der Märkischen Schweiz zu. Dort stand ein Wegweiser mit vier Händen. Drei wiesen zum nächsten Ort, die vierte Hand gen Himmel: "Zu Gott". (Zeichnung von Petra Elsner nachempfunden)

Drei Wege liefen auf einen Kreuzpunkt in der Märkischen Schweiz zu. Dort stand ein Wegweiser mit vier Händen. Drei wiesen zum nächsten Ort, die vierte Hand gen Himmel: „Zu Gott“. (Zeichnung von Petra Elsner nachempfunden)

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Naturfeuilleton abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s