Wiesen-Delikatessen

Auch wenn es gerade blitzt und hagelt – es ist die Zeit des Blütenzaubers und der hoch fliegenden Gefühle. Manch einer wird auch in heutigen Tagen noch ein Gänseblümchen vom Wegesrand pflücken und hoffnungsvoll das Blätterorakel befragen. Zupfend: „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht …“ Gewiss bekam die „Märkische Hochzeitssuppe“ von so einem blumigen Glückspilz ihren Namen. Die herzhafte Hühnerbrühe mit frischen Gänseblümchenköpfen obenauf hab‘ ich im Buckower Waldrestaurant „Buchenfried“ schon vor 20 Jahren andächtig gelöffelt. Die gibt es in ungebrochener Linie immer noch dort – ein Geheimtipp für alle Freunde der neuzeitlichen Blumen-Esskultur. Ja, naturgegebene Delikatessen aus Wald und Wiese sind wieder in. Neulich, bei einer Umzugsfete, war das Highlight des Nobel-Buffets eine Platte mit samtroten Tulpenblüten (aus einem biologischen Anbau bei Potsdam), die mit gerösteten Perlzwiebeln gefüllt waren. Ein ungeheuer schöner Blickfang, der, esstechnisch gesehen, dann doch ein kurzes Weilchen beargwöhnt wurde. Aber nach dem ersten „Hm – lecker!“ waren alle Dämme gebrochen, und in null Komma nichts war die Platte leer geputzt. Wir erleben eben die Renaissance der Blumenkost.
Es ist noch kein Menschenalter her, da war es landläufig üblich, Blumenblüten zu verspeisen. Ringelblumen beispielsweise galt unseren Großmüttern noch als Safran-Ersatz. Mit Rosen und Schlüsselblumen dekorierten sie ihre Torten. Holunderblüten wurden zu Kinderfesten in Pfannkuchenteig getaucht und in Öl gold-gelb zu genüsslichen Holunderküchlein ausgebacken. Und natürlich gab es damals auch schon Gänseblümchensuppe und Wiesensalate. Wer jetzt über die üppig blühenden Wiesen spaziert, kann nach Herzenslust sparsam die heimische Küche aufpeppen –traditionell oder trendy – ganz gleich.

© Petra Elsner

Satte Wiese, fotografiert von Petra Elsner

Naturlecker: Satte Wiese, fotografiert von Petra Elsner

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